Gadolinium im Trinkwasser: fachliche Bewertung der aktuellen Befunde

Gadolinium (Gd) ist aus chemischer Sicht ein Metall aus der Reihe der „Seltenen Erden“, das natürlicherweise im Boden enthalten ist.
Durch Lösungsvorgänge aus dem Boden ist Gadolinium auch natürlicherweise in geringen Mengen im Grund- und Oberflächenwasser zu finden (im unteren Konzentrationsbereich von Nanogramm pro Liter). In der Medizin wird Gadolinium bei der Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) eingesetzt.
Die als Komplexe (Chelate) vorkommenden Gadolinium-Therapeutika werden nach der Anwendung mit dem Urin vollständig wieder ausgeschieden und landen damit im Wasserkreislauf. Ausgedehnte Untersuchungen am IWW haben gezeigt, dass die Gd-Komplexe in den Kläranlagen zumeist nur unzureichend abgebaut bzw. zurückgehalten werden. Damit gelangen sie in Oberflächengewässer wie die Ruhr. Auch die Trinkwasseraufbereitungsanlagen sind trotz modernster Verfahren nicht darauf ausgelegt, die Stoffe zu 100 % zu entfernen.

Die Untersuchungen wurden im Rahmen einer Promotion von Maike Cyris in Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen (Prof. Schmidt) durchgeführt und veröffentlicht. Ein kurzer Artikel dazu ist auch im IWW Journal  aus dem Mai 2014 (Ausgabe 41, Seite 13) zu finden.

Alle unsere bisherigen Untersuchungen zeigen, dass eine gesundheitliche bzw. toxikologische Relevanz der nachgewiesenen Konzentrationen nicht gegeben ist. Da die TrinkwV keinen Grenzwert für Gadolinium nennt, gilt die General-Forderung des § 4 TrinkwV,

… dass Trinkwasser so beschaffen sein muss, dass durch seinen Genuss oder Gebrauch eine Schädigung der menschlichen Gesundheit insbesondere durch Krankheitserreger nicht zu besorgen ist. Es muss rein und genusstauglich sein.

Zur Bewertung kann derzeit ein Gesundheitlicher Orientierungswert (GOW) in Höhe von 0,1 µg/l heran gezogen werden. Vom Umweltbundesamt (UBA) werden Stoffe ohne vollständige toxikologische Bewertung auf Basis der aktuell vorhandenen Daten unter dem Gesichtspunkt einer hohen gesundheitlichen Vorsorge bewertet und es werden GOW abgeleitet. Der GOW wird immer so niedrig angesetzt, dass auch bei lebenslanger Aufnahme der betreffenden Substanz kein Anlass zur gesundheitlichen Besorgnis besteht.

Nach bisherigen Erkenntnissen und Untersuchungen des IWW ist Gadolinium für reine Grundwasser-Gewinnungsanlagen kein Thema. Bei den publizierten Messwerten ist zu berücksichtigen, dass Gadolinium grundsätzlich auch geogen (natürlich) in Wässern vorkommt. Daher gibt lediglich die so genannte Gadolinium-Anomalie Auskunft darüber, ob auch anthropogen eingetragenes Gadolinium aus dem Abwasser eine Rolle spielt.

Bei Fragen sprechen Sie uns gern an.

Dr. Ulrich Borchers (Bereichsleiter Wasserqualität)

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