Konferenzbericht zum DVGW Forum Wasseraufbereitung 2017

Am 9. November 2017 fand beim IWW in Mülheim an der Ruhr das DVGW Forum Wasseraufbereitung 2017 statt. Diese jährliche Veranstaltung, organisiert über den DIN/DVGW-Ausschuss „Wasseraufbereitung“ unter Vorsitz von Dr. Christoph Czekalla (Hamburg Wasser), dient Fachleuten der Trinkwasserbranche zur Information über aktuelle Forschungsprojekte und Regelwerksaktivitäten des DVGW sowie zu weiteren praxisrelevanten Entwicklungsthemen im Trinkwassersektor. Die fast 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – Mitarbeiter von Wasserversorgungsunternehmen, Wissenschaftler und Industriepartner diskutierten wissenschaftliche Erkenntnisse und neue Entwicklungen und bewerteten Chancen und Risiken von Wasseraufbereitungsprozessen.

Auch in diesem Jahr standen vielfältige Themen zur Diskussion. Angefangen von der Wassergewinnung über die Wasseraufbereitung und die Analytik bis hin zu Fragen der Wasserverteilung und der energetischen Optimierung von Wasseraufbereitungsanlagen wurden interessante Vorträge präsentiert.

Ein besonderes Jubiläum gab Anlass, Prof. Martin Jekel spontan um eine Würdigung zu bitten: 40 Jahre Wasseraufbereitung mit dem von ihm mitentwickelten Mülheimer Verfahren. Im Rückblick ließ er die Situation in den 70er Jahren mit Trockenheit, erheblichen Wasserqualitätsproblemen und überzogenen Wasserbedarfsprognosen Revue passieren. Das gab nicht nur bei RWW Anlass, über neue Aufbereitungsverfahren nachzudenken. In Mülheim konnte insbesondere durch die Implementierung der Ozonung mit biologisch wirkender Aktivkohlefiltration und ein Verzicht auf die „Knickpunktchlorung“ eine enorme Verbesserung der Trinkwasserqualität erzielt werden.

Im noch bis 2018 laufenden Projekt „Quantitative mikrobielle Risikobewertung“ wurden von Dr. Beate Hambsch (TZW) verschiedene Indikatoren für Belastungen des Rohwassers mit krankheitserregenden Bakterien, Parasiten und insbesondere Viren untersucht und auf ihre praktische Eignung für den Routineeinsatz bewertet.

Vorträge zu Pilotierung und Betrieb des neuen Wasserwerkes Hennesee (Marcel Koti, IWW und Robert Dietrich, HSW) und zur Entwicklung eines zukunftssicheren Konzeptes zur Aufbereitung von Karstwasser (Dr. Pia Lipp, TZW) zeigten klar die Etablierung der Ultrafiltration als zentrale mechanische Barriere gegen Krankheitserreger im Trinkwasser und die vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten mit weiteren Aufbereitungsverfahren wie Flockung, Ozonung und Aktivkohlefiltration. Praxisrelevante Erkenntnisse und Hinweise zu energetischen Einsparpotentialen von Aufbereitungs- und Nebenanlagen wurden von Dr. Dieter Stetter (IWW) als Teilergebnisse des umfassenden ENERWA-Projektes (BMBF) zum immer relevanten Thema Energieeffizienz präsentiert.

Eine Literaturstudie des TZW (Dr. Riegel) zur Entfernung von Vanadium bei der Trinkwasseraufbereitung lässt erwarten, dass neben Arsen und Phosphat auch das in vulkanisch beeinflussten Rohwässern gelegentlich gefundene Vanadat mittels granuliertem Eisenhydroxid sehr weitgehend und verfahrenstechnisch einfach aus Trinkwasser entfernt werden kann.

Die Entwicklung eines erweiterten Monitoringkonzeptes für Membranentsalzungsanlagen im Rahmen von Praxisversuchen wurde von Oliver Dördelmann (IWW) präsentiert. Das Konzept kombiniert die Nutzung von modernen Probenahmesystemen für eine serielle Probenahme an einer Vielzahl von Messstellen wie z. B. allen Druckrohren einer Umkehrosmoseanlage mit der Messung bewährter Qualitätsparameter wie Leitfähigkeit oder Härte. Hiermit wird es möglich sein, bei Routinekontrollen auch kleinere Membrandefekte in einzelnen Druckrohren mit vertretbarem Aufwand zu finden und so den Übergang von unerwünschten Stoffen in das Permeat zu minimieren.

Im Vortrag von Dr. Tobias Bader (Landeswasserversorgung) wurde den Zuhörern zunächst die Funktionsweise der Non-Target-Analytik gut verständlich erläutert. Darauf basierend wurde der praktische Nutzen des Non-Target-Screenings für die Überwachung und Bewertung von Aufbereitungsprozessen insbesondere für Flusswasser oder Kläranlagenabläufe mit realen Projektergebnissen aufgezeigt.

Die Ergebnisse einer Ist-Zustandserfassung der Chloratkonzentration in Trinkwässern in Deutschland durch das TZW-Dresden (K. Bornmann) zeigte für die 51 untersuchten Standorte auf, dass bei üblichen Chlor- oder Chlordioxiddosen der zulässige Höchstwert für Chlorat von 70 µg/l nicht überschritten wird. Die Zugabe von hohen Dosen an Desinfektionsmittel aus einem Vorratsbehälter mit vergleichsweise hoher Chloratkonzentration kann jedoch zu einer deutlichen Grenzwertüberschreitung führen. Dies zeigte, dass im Hinblick auf die Lagerdauer- und -temperatur sowie die Ausgangsqualität noch Optimierungs- und Aufklärungsbedarf besteht

Ein Beitrag zur Überprüfung der Wirksamkeit von Inhibitoren mittels kontinuierlicher Trübungsmessungen und Spülungen von M. Lohmann (TZW) zeigte auf, wie mit kontinuierlichen Trübungsmessungen und systematischer Spülung in realen Rohrnetzen die Auswirkungen einer Inhibitordosierung exemplarisch erfasst und bewertet werden können.

Den Schlusspunkt setzte Dr. Angelika Becker (IWW) mit einem engagierten Vortrag zu den Ergebnissen eines DVGW-Forschungsprojektes zu aktuellen Schäden an Trinkwasserinstallationen aus Kupfer. Es wurde sehr deutlich, wie überaus komplex die Wechselwirkungen zwischen Werkstoff und Herstellungsverfahren von Rohren, Trinkwasserbeschaffenheit, Randbedingungen von Lagerung und Verlegung, etc. in ihren Auswirkung auf Korrosionsvorgänge sind.

Die Teilnehmer konnten viele Inhalte aus den interessante Vorträgen und Anregungen aus den intensiven Diskussionen am Rande der Veranstaltung auf die Heimfahrt nehmen und für ihre Aufgaben in den Unternehmen nutzen.