Zusammenfassung: 4. Hannover-Fachtagung von Wasserverbandstag und IWW Zentrum Wasser

Lässt sich die Zukunft der Wasserversorgung planen?
4. Hannover-Fachtagung von Wasserverbandstag und IWW Zentrum Wasser

Die 4. Hannover-Fachtagung führte am 20.02.2019 rund 130 Wasserexperten zusammen, um gemeinsam über das Thema „Wasserversorgung in Niedersachsen – Heute für die Zukunft planen“ zu diskutieren. Gemeinsame Veranstalter waren der Wasserverbandstag e. V. und das IWW Zentrum Wasser. In acht Vorträgen wurden die in Hessen, Niedersachsen, Österreich und Luxemburg von Behörden und Unternehmen verfolgten Konzepte zur Sicherung der öffentlichen Trinkwasserversorgung in den Blick genommen. Die besondere Situation des Trockenjahres 2018 zog sich dabei wie ein roter Faden durch die Veranstaltung.

Verbandspräsident Heiko Albers (WVT) führte in den Tag ein, in dem er das Jahr 2018 mit folgenden Worten Revue passieren lässt: „Die Wasserversorgung hat zwar grundsätzlich reibungslos funktioniert; mancherorts wurde aber auch ein Anpassungsbedarf deutlich, um die Trinkwasserversorgung auch bei künftigen Hitzeperioden sicherstellen zu können.“ Hierbei verwies er insbesondere auch auf die Diskussionen zu den Wasserrechten und sah Klärungsbedarf bei dem aus seiner Sicht unabdingbaren Vorrang der öffentlichen Trinkwasserversorgung. „Unser gemeinsames Ziel sollte es sein, die Wasserversorgung als gesellschaftliche Aufgabe zu unterstützen!“

In seinem Grußwort zum Stand der Wasserversorgung in Niedersachsen führte Umweltminister Olaf Lies (MU) mit dem Verweis auf die hohe Leistungsfähigkeit der niedersächsischen Wasserversorgung ein, aktuell bestätigt im landesweiten Kennzahlenvergleich Wasserversorgung Niedersachsen. Die Versorgung mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser in ausreichender Menge sei eine Selbstverständlichkeit geworden. Das Trockenjahr 2018 habe aber alle Nutzer – Bevölkerung, Wasserversorger, Landwirtschaft und Industrie –  deutlich vor Augen geführt, dass gemeinsame Bemühungen dafür auch in Zukunft geboten seien. Lies ging auf bestehende Nutzungskonflikte wie z. B. steigende Feldberegnungsmengen, weiterhin hohe Nitratbelastung von Grundwasserkörpern und die Nichteinhaltung von Wasserständen an Oberflächengewässern und / oder grundwasserabhängigen Landökosystemen ein. Der Minister appellierte an alle Akteure, die EG-WRRL ernst zu nehmen und nicht nur als Zwang, sondern auch als Chance für eine nachhaltig gesicherte Wasserwirtschaft zu verstehen. Dabei gilt es täglich um tragfähige Lösungen zu ringen. Er betonte, dass die ambitionierten Ziele der Wasserrahmenrichtlinie auch nach vorheriger Zustimmung von Deutschland auf den Weg gebracht worden seien. Das niedersächsische Wasserversorgungskonzept werde hier einen gemeinsamen Weg in die Zukunft aufzeigen.

Ministerialrat Mathias Eberle (MU) berichtete über die laufenden Arbeiten zum landesweiten Wasserversorgungskonzept Niedersachsen und beschrieb den damit installierten Rahmen zur Daseinsvorsorge. Derzeit bestehen drei Arbeitsgruppen (Wasserversorgung, Ressourcenbewirtschaftung und Landwirtschaft). Eine AG Industrie sei in Vorbereitung. Die Arbeit der Gruppen wird durch die vom Land zentral bereitgestellten, GIS-basierten Daten unterstützt. Herr Eberle betonte, dass mit dem vermutlich Ende 2021 vorliegendem Wasserversorgungskonzept keine wasserrechtlichen Verfahren ersetzt werden.

Herr Dipl.-Ing. Andreas Kalix (enercity AG) verdeutlichte am Beispiel der Landeshauptstadt Hannover, wie dort die sichere Versorgung mit hochwertigem Trinkwasser gewährleistet wird. Neben vielen interessanten Details zum größten zusammenhängenden Grundwassergewinnungsgebiet Niedersachsens (Fuhrberger Feld) blieb sein Aufruf „mal einen Tag in den Schuhen des Anderen zu gehen“ in Erinnerung, also bei allem Engagement für die eigenen Belange die Bedürfnisse von Wasserversorgung, Landwirtschaft, Landschaftsschutz und Industrie ausgewogen zu betrachten. Herr Kalix kam zu dem Fazit, dass sich der Stellenwert von Wasser allein aufgrund unserer Verantwortung nachfolgender Generationen gegenüber deutlich verändern muss. Die enercity AG forciert dies mit Maßnahmen wie z. B. dem Waldumbau, der technischen Optimierung von Anlagen und der kontinuierlichen (Weiter-)Entwicklung von Wasserbedarfsprognosen als Planungsgrundlage.

Herr AL Michael Denk (MU Hessen) präsentierte den aktuellen Umsetzungsstand des Wasserversorgungskonzeptes „Integriertes Wasser-Ressourcen-Management im Rhein-Main-Raum“. Das hierzu seit Mitte 2018 vorliegende Leitbild enthält zentrale Kernaussagen wie z. B. zum Ressourcenschutz, zur Gewährung von Investitions- und Planungssicherheit für Träger öffentlicher Wasserversorgungen, zum Vorrang der öffentlichen Trinkwasserversorgung vor anderen Nutzern und zur Prämisse einer Bedarfsdeckung aus ortsnahen Wasservorkommen. Die Erstellung des sogenannten wasserwirtschaftlichen Fachplanes und der kommunalen Wasserkonzepte sind ausstehende Aufgaben, basierend auf den gemeinsam erarbeiteten Prämissen des Leitbildes. Interessant war der Hinweis, dass in Hessen die Einrichtung sogenannter Wasservorranggebieten modellhaft erprobt werden soll. Die Überschrift „Dem Wasser mehr Stimme geben“ bringt den von Herrn Denk vorgestellten Ansatz auf den Punkt.

Die beiden Themenblöcke des Nachmittags widmeten sich der Ableitung von Zukunftskonzepten für die Wasserversorgung. Herr Dr. Tim aus der Beek (IWW) stellte Wasserbedarfsprognosen als eine wichtige Grundlage zur multiplen Planung in der Trinkwasserversorgung vor und führte in die Methodik ein. Die verfügbaren Daten, gewählte Prognosezeiträume oder Einflüsse schwer zu fassender Wandelfaktoren (Demographie, Technik, Klima) bestimmen das erzielte Ergebnis und bedingen erhebliche Unschärfen der erstellten Prognosen. Dem könne man aber beikommen durch die fortlaufende Anpassung der Berechnungen bei neuer Datengrundlage, die Angabe variabler Entnahmemengen (z. B. wasserrechtliche Bewilligung) oder die durch Untersuchung verschiedener Szenarien.

Die Vorträge von Herr Dipl.-Ing. Reinhard Plöchl (LINZ AG) und Frau Brigitte Lambert (AGE Wasserwirtschaftsamt Luxemburg) gewährten den Zuhörern einen Einblick in die gewählten Lösungsansätze im europäischen Ausland (Österreich, Luxemburg). Es wurde deutlich, dass Besonderheiten wie z. B. das Auftreten von Hochwasser oder die hohe Zahl von Pendlern individuelle Ausprägungen von Wasserversorgungskonzepten bedingen. Beide Konzepte überzeugten die Zuhörer von der Notwendigkeit einer wasserwirtschaftlichen Zukunftsplanung, die für zuständige Landesbehörden und Unternehmen vorausschauendes Handeln und effiziente Anpassungsmaßnahmen planbar machen.

Angeregt durch die Bandbreite der Vorträge wurde der Diskussion viel Raum gegeben. Dabei wurde festgehalten, dass vielschichtige, von den Wasserversorgungsunternehmen nicht steuerbare Einflussfaktoren bestehen und diese differenzierte Ansätze erforderlich machen. Die allgemeine Wahrnehmung der Teilnehmer war, dass die Herausforderungen in der nahen und mittleren Zukunft größer werden. Es bestand Konsens, dass die Wasserwirtschaft in Deutschland in vielen Punkten gut aufgestellt ist. Extreme Situationen wie das Trockenjahr 2018 sind beherrschbar, es sind aber fortlaufende und vorausschauend geplante Anpassungsanstrengungen erforderlich, die Wasserversorgung auch zukünftig sicherzustellen. Ganzheitlich aufgestellte und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Wasserversorgungskonzepte werden einen Beitrag dazu leisten, verbleibende Lücken zu schließen und Versorgungssysteme im Einklang mit dem natürlichen Wasserhaushalt fortzuentwickeln.

Christoph Nolte, IWW